Dienstag, 2. Oktober 2018


"Ein Winter auf Mallorca" von George Sand


"Mit welcher Poesie erfüllt seine Musik den heiligen Ort ..."

Es bleibt in Erinnerung ...

... die Story

George Sand sucht im Winter 1838 mit ihren Kindern Maurice und Solange, sowie ihrem Geliebten Frédéric Chopin, Zuflucht auf der spanischen Insel Mallorca. Zum einen möchten sie dem hektischen Paris entfliehen, zum anderen suchen sie das mildere spanische Klima aus gesundheitlichen Gründen auf. Sowohl George Sands Sohn Maurice, als auch Chopin kränkeln und brauchen Luftveränderung. Mallorca ist noch nicht wirklich auf Touristen eingestellt und es mangelt an Unterkünften. Mit etwas Glück kommt die kleine Reisegruppe schließlich in der Kartause von Valdemossa unter, wo ehemalige Mönchszellen bezogen werden können.
George Sand sieht sich als Reiseschriftstellerin und hat für den Leser recherchiert. Wir erfahren viel über Temperaturen, das Klima und die Architektur, sowie über Geschichtliches. Vor allem mit der Inquisition befasst sich die Autorin ausführlich.
Die Französin ist verzaubert von der mallorquinischen Landschaft, aber ansonsten missfällt ihr so einiges. Schnell gibt es auf den Seiten negative Anklänge, die der Insel etwas den Zauber nehmen. Genannt werden das "widerliche" Olivenöl, die Häuser "bar jeden Schmucks" und die wenig zugängliche Bevölkerung. Beidseitig begegnet man sich mit Skepsis und wenig Einfühlungsvermögen.
Als das Wetter im Winter umschlägt und es zu wochenlangen Regengüssen kommt, verlassen sie Mallorca fast fluchtartig und kehren nach Hause zurück. Chopins Gesundheitszustand hat sich auf der Insel eher verschlechtert als verbessert.

... ein Zitat

"Ich habe nie etwas Reizenderes und gleichzeitig Melancholischeres gesehen als diese Landschaft, wo Steineiche und Johannisbrotbaum, Pinie und Olivenbaum, Pappel und Zypresse die verschiedenen Farbtöne ihrer Blätter in tiefen Lauben vermischen, wahre Abgründe von Grün, und wo der Bach unter üppigem Buschwerk von unvergleichlicher Anmut hinabeilt."

... was mich bewegt hat

Mir gefällt die Begeisterung für die Landschaft und was diese in den Künstlern bewegt. George Sand schreibt des Nachts an ihren Romanen weiter und Frédéric Chopin vollendet seinen Zyklus der 24 Préludes.
Obendrein schmücken das Buch sehr schöne Zeichnungen und Lithographien. Der Maler J.B. Laurens hat sich sichtlich von Mallorca inspirieren lassen.

... die Sprache

Sehr poetisch und bildhaft.

... ein Fazit

Das Buch ist von sehr ansprechenden Äußeren, hat gar etwas Bibliophiles an sich. Wenn man es aufschlägt ist man gleichermaßen fasziniert. Sehr schön schwarz-weiß bebildert.

Missfallen haben mir George Sands anmaßende Äußerungen über die ländliche Bevölkerung auf Mallorca. Sie klingen sehr hochmütig und lassen wirkliches Interesse an der Kultur der Einheimischen vermissen.
Schade, denn ansonsten ist es wirklich ein feines Buch.

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