Sonntag, 19. Oktober 2014

"Und dieser Gedanke war wie eine Befreiung, ein sanftes Rauschen, ein offenes Fenster ..."


"Nicht mit mir" von Per Petterson 




Es bleibt in Erinnerung ...


... die Story

Die Geschichte dieses Romans beginnt im Jahr 2006. Auf einer Brücke unweit von Oslo treffen sich zufällig Tommy und Jim. Beide sind ein wenig überrascht, denn sie haben sich über dreißig Jahre nicht gesehen. Damals waren sie beste Freunde, unzertrennlich und vertraut.
Das Buch begibt sich jetzt in Episoden in die Vergangenheit und erzählt, welchen Weg die Freundschaft der beiden genommen hat.
Sie wachsen sehr verschieden auf, Jim bei seiner Mutter, wohl behütet, und Tommy bei einem Pflegevater, nachdem es in seinem Elternhaus zu Gewalt gekommen ist. Die Jungen entwickeln sich so, wie ihre Herkunft es eigentlich nicht hat vermuten lassen. Tommy ist beruflich erfolgreich, während Jim schon länger krankgeschrieben ist und seinen Beruf nicht mehr ausübt. Ihn plagen Depressionen und er hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich.
Beide Jungen erzählen aus der Ichperspektive, es gibt in dem Buch aber auch den Autoren als Beobachter und Tommys Schwester Siri kommt außerdem zu Wort. So fügen sich viele Puzzlestücke aneinander und es ergibt sich ein großes Bild von Freundschaft und Lebensperspektiven, aber auch von Enttäuschung und Einsamkeit. Das Ende schenkt dem Leser nicht das erhoffte Happyend, überrascht aber mit einer anderen schönen Verknüpfung.

... das bewegte Herz

Die beiden Freunde, die ich ins Herz geschlossen habe. Und die ganz großen Fragen, die gestellt, aber nicht unbedingt beantwortet werden: wie werden wir zu dem, was wir sind und welchen Anteil haben Kindheit und Jugend. Wie wichtig ist der Vater? Was kann eine Freundschaft aushalten und woran geht sie vielleicht zugrunde.Was schenkt uns Halt im Leben, wieviel Nähe brauchen wir und wann brechen wir aus.

... ein Zitat

" ... stattdessen sollten wir uns höchstens kurz mit einem leisen Lächeln um den Mund anschauen und unser Wissen, unsere Erinnerung teilen, als würde uns etwas verbünden, nur ihn und mich, etwas Intimes, etwas Heftiges, heimlich lodernde Bande, die uns aneinanderketteten, Blutsbande. Da stand ich auf. Von wegen Frieden, dachte ich, von wegen etwas, was uns aneinanderkettet. Nicht mit mir."

... die Sprache

... transportiert Wärme. Petterson ist, was Zwischenmenschliches angeht, ein großer Versteher, blickt hinter Gesagtes und Ungesagtes. Suggestiv. Poetisch. Mit viel Liebe für seine Figuren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen