Donnerstag, 26. Januar 2017

"Eine Million Minuten" von Wolf Küper


"Wir hatten uns in einer Million Minuten verändert, jeder für sich und alle gemeinsam."

Es bleibt in Erinnerung ...

... die Story

Dieses Buch ist viel mehr als eine Story, denn Wolf Küper erzählt aus seinem eigenen Leben. 
Nina, seine Tochter kommt mit einer Behinderung zur Welt, diagnostiziert werden schwere Bewegungs- und Koordinationsstörungen, wodurch sie sich stark verzögert entwickelt. Mit der "überflüssigen Hektik" der Erwachsenen kommt sie nicht klar, sie macht lieber "lamsang" und alles ohne "Hastik", wie sie selber sagt.
Wolf und seine Frau Vera werden ihr im stressigen Alltag einfach nicht gerecht, zumal Wolfs Karriere als internationaler Umweltwissenschaftler ihm nicht viel Zeit für die Familie lässt. 
Eines Abends, als wieder nur zehn Minuten Zeit für's Vorlesen bleiben, wünscht Nina sich von Herzen "eine Million Minuten. Nur für die ganzen schönen Sachen".
Bei den Eltern setzt ein Umdenken ein, sie beginnen "in Zeit zu rechnen", nicht mehr in Geld. Eine Million Minuten, das wären etwa zwei Jahre Entschleunigung für alle. Wolf kündigt seinen Job, alles an Hab und Gut wird verkauft und die Familie bricht auf, erst nach Thailand, dann nach Australien und Neuseeland.
Zunächst diagnostiziert Wolf an sich selber ein "adultes Fantasiedefizit", er ist überfordert, sobald er Zeit ohne festen Plan verbringen soll. Aber es stellt sich als Lernfeld raus, von dem auch er profitiert. Für Nina bedeutet es, dass ihr Eltern endlich auch mal "lamsang" machen und auf sie eingehen können. Viele berührende Momente und Erfahrungen sind beschrieben.
Nach den zwei Jahren ist es zunächst schwierig, sich in Bonn wieder einzugliedern, aber Nina und ihrem Bruder Simon gelingt das recht gut und Wolf Küper resümiert, damals richtig entschieden zu haben.
"Wir waren mehr Familie geworden, als ich mir jemals hatte vorstellen können."

... ein Zitat

"Sie musste mich beobachtet haben, wie ich wieder einmal mit zusammengepressten Lippen und angehaltener Luft neben ihr stand, während sie seit einer halben Ewigkeit versuchte, sich eine Socke alleine anzuziehen. Das passierte mir in letzter Zeit häufiger - ich vergaß einfach auszuatmen, vor lauter Zeitdruck. Da hörten ihre Hände auf mit dem hilflosen Gezerre, sie schaute zu mir hoch und lächelte beruhigend: "Keine Hastik", sagte sie. 
Wir hatten ziemlich viel Glück, dass dieses kleine Mädchen so viel Geduld aufbrachte gegenüber unserer Ungeduld."

... was mich bewegt hat

Wolfs liebevoller Umgang mit seiner kleinen Tochter. Und die berührenden Gespräche, die die beiden führen

... die Sprache

Wolf Küpers Sprachgewandtheit macht das Buch zu einem Genuss. Ein intelligenter Erzähler mit viel Feingefühl.

... ein Fazit

Unbedingte Leseempfehlung!














Kommentare:

  1. Tolle Rezension, jetzt hast du mich auf das Buch neugierig gemacht. Eigentlich wollte ich mich nur ein bisschen umgucken, doch jetzt bin ich in dieser Rezension versunken :D

    ->https://captainbooksweb.wordpress.com/

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    1. Dein hinein ins Lesevergnügen! Freut mich, dass dir die Rezension gefällt!

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